Alpin Notruf: 140

Einsatz zu ungewöhnlicher Stunde

Der gut ausgerüstete 29-jährige Wiener S. wollte auf dem Plateau des Schneebergs biwakieren, doch die sich rapide verschlechternden Witterungsbedingten ließen ihn an seinem Vorhaben zweifeln. Durch gute Selbsteinschätzung und Erfahrung konnte Schlimmeres verhindert werden.

Am 15. November stieg S. über eine nicht näher bekannte Route, mit der Absicht dort zu biwakieren, auf das Hochplateau des Schneeberges auf. Dort angekommen, schlug er gegen 16:30 Uhr sein Nachtlager in einer natürlichen Vertiefung zwischen der Roten Schütt – Flanke und der Lahningries auf. Laut eigenen Angaben unternimmt S. derartige Touren des Öfteren.

Durch die während der Nacht einsetzende Wetterverschlechterung überkamen ihn jedoch Zweifel, ob der Abstieg am nächsten Tag, trotz Erfahrung und guter Ausrüstung, ohne weiteres möglich sein würde. Während im Tal Tauwetter, Regen sowie starker Wind herrschten war die Wetterlage in etwa 2000 Meter Seehöhe wesentlich drastischer: Neben dem recht eisigen Untergrund, erschwerten böiger Sturm, Eisregen und Nebel die Bedingungen. Darum verständigte S. in den frühen Morgenstunden einen Freund und bat um Hilfe. Dieser reagierte sehr besonnen und alarmierte den ÖBRD.

Um 07:00 Uhr morgens wurden die Ortsstelle Puchberg am Schneeberg sowie der Notarzthubschrauber Christophorus 3 alarmiert. Eine anfangs angedachte Taubergung stellte sich aufgrund der Wetterverhältnisse als nicht durchführbar heraus, woraufhin eine terrestrische Bergung, unter Unterstützung von zwei Nachbarortsstellen (Grünbach und Hohe Wand) sowie der Alpinpolizei in die Wege geleitet wurde. Dabei übernahm der CH3 einen Teil des Mannschaftstransportes vom Tal bis zur Edelweißhütte. Durch den Polizeihubschrauber „Libelle“ wurde eine weitere Mannschaft in die Breite Ries geflogen. Der weitere Aufstieg erfolgte zu Fuß über den Nandlgrat sowie den Fadensteig.

 

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Um den Aufstieg zu erleichtern und die Einsatzzeit zu verkürzen wurden einige Kameraden mit dem Christophorus 3 bis zur Edelweißhütte geflogen.

 

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Trotz widriger Bedinungen darf man beim Aufstieg den Humor nicht verlieren.

 

Gegen 11:30 Uhr traf der erste Bergretter bei dem sich in einer Notlage befindlichen Wanderer ein und klärte zuerst den Zustand des Betroffenen ab. Mit Unterstützung der Mannschaft und Seilsicherung konnte S. selbstständig zu Fuß über den Fadensteig absteigen. Von Losenheim aus wurde der unverletzte Wanderer mit dem Bergrettungsfahrzeug zu seinem eigenen Fahrzeug nach Schneebergdörfl gebracht. Von dort aus trat er die weitere Heimreise selbstständig an. Um 13:30 konnte das Einsatzende durch den Einsatzleiter gegeben werden.

 

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Da der Wanderer glücklicherweise unverletzt war, konnte der Abstieg ohne besondere Hilfsmittel gemeistert werden.

 

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Für den Notfall wäre auch der Hubschrauber dem BMI zur Stelle gewesen.