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Symposion Psyche & Berg – Bergrettung lernt vom Spitzensport

 

Im Spitzensport ist psychologisches Training und Mentalcoaching längst eine Selbstverständlichkeit. Auch im Bergrettungsdienst will man künftig verstärkt von diesem medizinischen Know How profitieren. Bergretter und Psychologen haben dazu am vierten internationalen Symposion Psyche & Berg in Puchberg ihr Fachwissen ausgetauscht.

 

Mentale Stärke ist im Spitzensport oft entscheidend für den Erfolg. Mit Mentaltraining verbessern Sportler ihre Konzentration im Wettkampf, stärken die physische und mentale Ausdauer und bleiben in Stress-Momenten gelassen. Diese Fähigkeiten sind auch im Bergrettungsdienst gefragt, besonders in stressigen Einsatzsituationen. Am Wochenende trafen sich Bergretter und Psychologen beim Symposion Psyche & Berg in Puchberg um ihr Wissen in diesen Bereichen auszutauschen. Die internationale Zusammenkunft, die bereits zum vierten Mal Aspekte aus Alpinismus und Psychologie verbindet, wurde wieder vom Landesleiter der Bergrettung NÖ/Wien, MR Dr. Wolfgang Ladenbauer initiiert.

 

Mentaltraining auch für Bergrettung interessant

Im Workshop „Mentale Stärke im Bergrettungsdienst“ gab die Sportpsychologin und Bergretterin Mag. Christina Lechner Bergrettungs-Mitgliedern Erfolgsrezepte für ihre Einsätze. „Die mentalen Anforderungen für Bergretter sind mit jenen im Leistungssport gut zu vergleichen: Sie müssen sich etwa auf die Bedingungen im Einsatzfall so gut als möglich einstellen oder ihre Konzentration selbst unter extremen Bedingungen über lange Strecken aufrecht erhalten“, sagt Lechner, die selbst in der Ortsstelle Puchberg aktiv ist. Thomas Daniel, unter anderem Olympia-Sechster London 2012 im Modernen Fünfkampf, gab exklusiv für die Bergrettung Einblick in seine mentale Erfolgs-Strategie.

 

„Ziel ist es, dass die Teilnehmer Basistechniken des mentalen Trainings kennen- und anwenden lernen, die ihnen helfen, mit den Anforderungen des Bergrettungsdienstes besser zurecht zu kommen“, ergänzt Lechner. Unter dem Schwerpunkt „Stress-Management“ setzten sich Mentalcoach und Bergretter Ing. Robert Placek, MBA (Ortsstelle Hohe Wand) sowie der Ausbildungsleiter und Einsatzleiter-Stellvertreter. der Ortsstelle Puchberg, Markus Alfanz, gezielt mit der Stressbewältigung im Einsatzfall auseinander. Selbst bei erfahrenen Bergrettern lassen Alarmierungen den Stresspegel ansteigen. Besser damit umzugehen, trägt nicht nur zur effizienteren Abwicklung des Einsatzes bei, es trägt langfristig auch langfristig zur Gesunderhaltung bei.

 

Fallbeispiele und theoretische Grundlagen zum Trauma

Der erfahrene Arzt und Psychotherapeut Ladenbauer leitete den Workshop „Trauma am Berg“, bei dem eigenes Erleben, Fallbeispiele und theoretische Grundlagen von alpinen Unfällen und ihren psychischen Folgen für alle Betroffenen gemeinsam diskutiert wurden. Der Idee der Bergrettung folgend war der Unfall am Berg ein zentrales Thema. Das alpine Trauma mit seinen Aspekten psychische Erste Hilfe und Stressbewältigung sowie die Bekämpfung und Behandlung von Spätfolgen bei allen Beteiligten standen dabei im Mittelpunkt. In einer Vortragsreihe renommierter Fachärzte, Betroffener und Bergretter tauchten die Zuhörer in die Themenbereiche ein und konnten im Anschluss daran diskutieren.

  

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Die Vortragenden (v. l. n. r.): Markus Alfanz, Mag. Christina Lechner, Dr. Wolfgang Ladenbauer, Robert Placek.

 

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Die Teilnehmer des Workshops „Mentale Stärke im Bergrettungsdienst“ aus verschiedenen Ortsstellen in Niederösterreich.

 Alle Bilder © ÖBRD Niederösterreich / Wien.